„Wiederholungsbedarf !“ – Schultheaterprojekt für junge Geflüchtete in Baden-Württemberg erfolgreich abgeschlossen

Das Theaterensemble von "Mensch: Theater!". Foto: © TERRE DES FEMMESDas Theaterensemble von "Mensch: Theater!".
Foto: © TERRE DES FEMMES
Im Oktober 2016 startete das Theaterprojekt „Mein Weg. Mein Glück. Mein Ziel!“. Seitdem sind die zwölf geplanten Aufführungen an verschiedenen Schulen in Baden-Württemberg erfolgreich über die Bühne gegangen. Mehr als 770 SchülerInnen, die 56 Nationalitäten vertreten, sowie insgesamt 35 Lehrkräfte und SchulsozialarbeiterInnen konnten im Rahmen des Projekts zu dem komplexen Thema „Gewalt gegen Mädchen und Frauen im Kontext von Flucht“ diskutieren, sich informieren und sensibilisieren. Das Theaterprojekt ist eine Kooperation von TERRE DES FEMMES mit dem Theaterensemble „Mensch: Theater!“ und der mobilen Beratungsstelle Yasemin. Finanziert wird das Projekt durch das baden-württembergische Ministerium für Integration und Soziales.

Inhalt des Stücks

„Mein Weg. Mein Glück. Mein Ziel!“ erzählt die Geschichte einer geflüchteten Familie in Deutschland. Das Erlernen einer neuen Sprache ist nicht die einzige Schwierigkeit, mit der sich die Familie konfrontiert sieht. Die Verarbeitung der persönlichen Fluchtgeschichte, der Tod des Vaters sowie das Erleben verschiedener Gewaltformen prägen die Mutter und ihre Kinder. Auch unterscheiden sich die vertrauten Verhaltensweisen von den Gepflogenheiten in der neuen Umgebung, eine Veränderung, mit der die einzelnen Familienmitglieder unterschiedlich umgehen, was zu Auseinandersetzungen führt.

Anschaulich zeigen die einzelnen Szenen verschiedenste Themengebiete und Konflikte aus dem Alltag geflüchteter Jugendlicher: sich verändernde Lebensvorstellungen in der neuen Umgebung, die Konfrontation mit Vorurteilen, Isolierung von den MitschülerInnen, Überforderung und Unsicherheiten, der Umgang mit Gewalterfahrungen oder die Suche nach selbstbestimmten Lebenswelten. In den an das Stück anknüpfenden Workshops haben die SchülerInnen in Kleingruppen die Möglichkeit, über einzelne Themen vertieft zu diskutieren und erhalten Informationen zu Unterstützungs- und Beratungsmöglichkeiten für von Gewalt Betroffene.

Reaktionen der ZuschauerInnen

Spielszene mit Canan Kir und Tobias Gerstner von "Mensch:Theater!". Foto: TERRE DES FEMMESSpielszene mit Canan Kir und Tobias Gerstner von "Mensch:Theater!". Foto: © TERRE DES FEMMESIn den direkten Reaktionen der SchülerInnen während der Workshops sowie anhand der ausgefüllten Fragebögen zeigte sich, dass bei der Mehrheit der SchülerInnen das Theaterstück sehr gut ankam. 80% stuften die Szenen des Stücks als realistisch ein und empfanden es als positiv, über die Themen Flucht und Menschenrechte zu diskutieren (83% über Flucht, 90% über Menschenrechte). Auch der interaktive Aspekt des Stücks, der es den SchülerInnen erlaubt bereits während der Aufführung der Szenen über diese und den Fortgang der Geschichte zu diskutieren, gefällt 72% der Jugendlichen. Rund ein Viertel der ZuschauerInnen gaben an, dass sie die in den Szenen dargestellten Situationen aus ihrem eigenen Leben kennen.

Anliegen der Aufführungen war es unter anderem, einen Dialog zwischen den Jugendlichen, mit und ohne Fluchterfahrung, anzuregen, was erfolgreich geschah. „Ich fand es gut, dass mit der ganzen Gruppe interagiert und diskutiert wurde“, merkt eine Schülerin an. Ein anderer findet es besonders positiv, „dass jeder seine Meinung sagen konnte“. Auch geben die Szenen Denkanstöße, die eigenen Verhaltensweisen, Vorstellungen und Werte zu artikulieren sowie zu hinterfragen, so kommentiert eine Schülerin: „Das Theater hat mich echt zum Überlegen gebracht“. Auch die teilnehmenden Lehrkräfte und SchulsozialarbeiterInnen waren mit der Organisation und Durchführung des Projekts zufrieden. Alle empfanden die Szenen als realistisch, 86% der Lehrkräfte und SchulsozialarbeiterInnen hat das Theaterstück sehr gut gefallen, den restlichen 14% gut.

„Wiederholungsbedarf!“

Spielszene mit Canan Kir, Marilena Weichert und Tobias Gerstner von "Mensch:Theater!". Foto: TERRE DES FEMMESSpielszene mit Canan Kir, Marilena Weichert und Tobias Gerstner von "Mensch:Theater!". Foto: © TERRE DES FEMMESDer Bericht „Geflüchtete Frauen und Mädchen vor Gewalt schützen“ der von 'filia. die frauenstiftung' und 'UN Women - Nationales Komitee Deutschland' herausgegeben wurde, nennt das Theaterstück „Mein Weg. Mein Glück. Mein Ziel!“ als vorbildliches Praxisbeispiel zum Schutz geflüchteter Mädchen und Frauen. Auch die positiven Reaktionen der Teilnehmenden bestätigen den Bedarf solcher präventions- und integrationsfördernder Projekte. Und ganz im Sinne einer Schüleranmerkung, welche das Stück schlicht mit der Notiz „Wiederholungsbedarf“ kommentierte, bemühen wir uns um eine künftige Weiterfinanzierung des Theaterprojekts „Mein Weg. Mein Glück. Mein Ziel!“.

Alle Informationen auf einen Blick finden Sie auf dem Projektflyer (PDF-Datei); Anregungen für Lehrkräfte zur Vor- und Nachbereitung des Stücks im Begleitmaterial für LehrerInnen (PDF-Datei).

Stand: 01/2017

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